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Drei Tipps für Bekämpfer des Klimawandels

Angst ist in der Politik ein schlechter Ratgeber. Damit gewinnt man zwar manchmal Nein-Kampagnen. Wenn es aber gilt, die Bevölkerung von Reformen zu überzeugen, rate ich davon ab. Mit Grabenkämpfen wird auch die Klima-Politik nicht reüssieren. Mir scheint aber, dass die Debatten leider genau in diese Richtung abdriften. Das will ich nicht und gebe darum Gegensteuer. Den Befürwortern von Klima-Reformen gebe ich drei Tipps:

1. Kritiker nicht verhöhnen
Die Verhöhnung von Kritikern des Klimawandels ist ein Fehler. Politiker haben schon oft Herausforderungen verdreht, hochgespielt und Gefahren instrumentalisiert. Warnungen haben sich oft nicht bewahrheitet (Waldsterben, Vogelgrippe, Mobilfunksmog). Warum soll es jetzt anders sein? Warum sollen Warnungen jetzt stimmen? Eine Demokratie muss das Hinterfragen des Klimawandels zulassen. Das ist nicht lästig. Leute, die das fragen, darf man nicht vorschnell abhängen. Der Klimawandel ist mit Debatten zu begegnen, nicht mit Bevormundung und Belehrung.

2. Verbesserungen anerkennen
Ich bin 49 Jahre alt. Wann ist es in diesen 49 Jahren dem Boden, dem Wasser und der Luft am schlechtesten und wann am besten gegangen? Genau: Bei meiner Geburt am schlechtesten und heute am besten – morgen noch besser. Denn seit 1970 hat unser Land, Europa und auch die Welt viele richtige Massnahmen beschlossen. Das Ozonloch ist geschlossen, Phosphat aus Waschmitteln und Blei aus Benzin entfernt, der Regen entsäuert, der Borkenkäfer eingefangen, das Recycling lanciert und die Abfallmenge reduziert worden. Auch der CO2-Ausstoss in der Schweiz ist pro Kopf bereits um 25% gegenüber dem Maximum gesenkt worden. Unser Land hat Milliarden erwirtschaftet, um riesige Investitionen in Wasserkraft, öffentlichen Verkehr oder Häusersanierungen zu leisten. Der Generation, die dies geschafft hat, ist zuerst mit Respekt zu begegnen, um sie dann für neue Massnahmen zu motivieren.

3. Die Aufgabe nicht unterschätzen
Es ist kein Honigschlecken und nicht in wenigen Jahren machbar. Die Welt hat seit dem Beginn des Industriezeitalters ein System basierend auf fossiler Energie aufgebaut. Davon wird sich der Planet ohne Technologiesprünge nur Schritt für Schritt wegbewegen können. Immerhin: Der Energie-Konsum pro Kopf hat sein Zenit erreicht und beginnt langsam zu sinken. Der Energie-Einsatz pro erwirtschafteter Einheit BIP hat das Maximum erreicht. Der Energiekonsum wird aber wegen des Bevölkerungswachstums noch zunehmen. Solche Trends biegt man nicht einfach um.
Die Schweiz hat ihre spezifische Herausforderung, weil sie gleichzeitig raus aus dem Atom (Volk) und raus aus dem Fossil (Bundesrat) will. Diese Wette muss erst noch gewonnen werden. Das Beispiel Deutschland zeigt die Risiken, wenn man es übers Knie bricht: Dortige Milliarden-Investitionen in die Energiewende zeigen ein höchst zweifelhaftes Ergebnis. Wir sind noch nicht davor gefeit, es besser zu machen. Das Potenzial für Ausbau von Wasserkraft und Windenergie in unserem Land wurde im 2019 deutlich nach unten korrigiert (und kaum kommuniziert). Mit neuen Kleinwasserkraftwerken bspw. sollen nur 200'000 statt 400'000 neue Haushalte mit Strom beliefert werden können. Um die Geothermie ist es still geworden.

Fazit auch für die Klimapolitik: Gegner nicht verhöhnen, bereits erzielte Verbesserungen anerkennen, einbringen, dass es auf dem bestehenden Pfad beschleunigt weitergehen soll und das Ausmass der Aufgabe richtig einordnen.
Die internationale Klimapolitik gibt 30 Jahre bis zum Erreichen der Klimaneutralität. Mit der heutigen Technologie wird es kaum viel schneller gehen. Als Kandidat für den Nationalrat bin ich bereit, auf Basis einer öko-sozialen Marktwirtschaft die Energiewende zu befördern, für Lenkungsabgaben mit vollständiger Rückerstattung einzutreten, die Kreislaufwirtschaft zu propagieren und die Innovation mit Blick auf Technologiesprünge zu fördern. Ohne Brückenbauen geht es in einer Demokratie nicht. Mehrheitsfähige Vorlagen müssen erst noch gezimmert werden.

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